Bezeichnung der Teile eines Baums.
Baumschnitt? Eigentlich muss man für einen sinnvollen Schnitt seines Obstbaumes nur drei Dinge wissen:
  1. Wie wächst ein Baum?
  2. Wo trägt ein Baum Früchte?
  3. Wie wirkt ein Schnitt?
Damit wird man sicher nicht der perfekte Obstbaumscheider, kann aber seinen Baum auf jeden Fall verbessern, ihm ein gesundes Leben schenken und bessere Früchte ernten!

Das Bild rechts zeigt die Grundstruktur eines Baumes, gebildet durch den Stamm und die Leitäste. Ein Obstbaum sollte drei bis fünf Leitäste und eine Spitze haben, die aus der Stammverlängerung entsteht. Sehr selten haben Obstbäume in Kleingärten diese Struktur. Tragisch ist das nicht.
Der höchste Punkt des Baumes ist seine Spitze. Ein Baum sollte nur eine Spitze haben, sonst konkurrieren die Spitzen miteinander. Die Leitäste gehen vom Stamm ab und tragen die ganze Holz-, Laub- und Fruchtlast. Damit sie das können, sollten sie idealerweise unter einem Winkel von etwa 45° zum Stamm verlaufen. Sowohl zu flache als auch zu steile Leitäste können weniger tragen. Sie brechen leicht aus. An den Leitästen sitzen die Äste, Zweige und Triebe des Baumes. Triebe sind ein oder zwei Jahre alt und biegsam. Sie sind etwa so dick wie ein Bleistift. Als Zweig bezeichnet man junges Holz im Alter von 3 bis 4 Jahren bis etwa Daumendicke. Älteres Holz bildet die Äste. Alles zusammen bildet die Baumkrone. Sie sollte locker und ausgewogen sein. Durch eine gute Baumkrone sollte man einen Hut werfen können, damit alle Früchte gut belichtet werden. Die Leitäste sollten etwa die gleiche Höhe erreichen, damit sie gleich stark wachsen. Das nennt man Saftwaage.
Wie wächst ein Baum?
Bei einem Baum treibt immer die am höchsten stehende Knospe eines Zweiges oder Triebes am stärksten. Je höher die treibende Stelle im Baum ist, umso stärker wächst sie. Darum werden Äste immer länger und Spitzen immer höher. Ein Baum wächst stärker in die Höhe als in die Breite. Natürlich wächst ein Baum wie jede Pflanze aber auch zum Licht. Stehen Bäume zu eng oder haben sie nicht genug Licht, wachsen sie nur einseitig oder es entstehen Angststriebe (im Volksmund Wassertriebe genannt) auf den Ästen.
Die grünen Kreise zeigen die Wachstumsorte. Je größer ein Kreis, umso stärker das Wachstum.
Wo trägt ein Baum Früchte?
Fruchtholz und Früchte bilden sich überwiegend an waagerechten Ästen, Zweigen und Trieben. Als Fruchtholz bezeichnet man die kurzen, ca. 10 cm bis 30 cm langen "Ästchen", an deren Enden die Blüten und später die Früchte sitzen. Senkrechte und steil nach oben wachsende Zweige und Triebe erzeugen hauptsächlich Holz. Man nennt sie Holztrieb. Einige Obstsorten tragen bevorzugt an Trieben eines bestimmten Alters, z. B. trägt Steinobst wie Kirsche, Pflaume, Pfirsich bevorzugt an einjährigen Trieben.
Nach oben wachsende Äste tragen kaum. Fruchtholz und Früchte entstehen bevorzugt an waagerechten Ästen und Trieben.
Wie wirkt ein Schnitt?
Durch den Ort des Schnittes bestimmt man die höchste Knospe eines Triebes und damit, wo ein Baum weiterwächst. Dadurch, wieviel man von einem Trieb entfernt hat, bestimmt man die Stärke des Neuaustriebes. Ein starker Rückschnitt bewirkt einen starken Neuaustrieb, ein schwacher Rückschnitt einen schwachen Neutrieb.
Der Ort des Schnittes bestimmt, wo der Neuaustrieb stattfindet. Der Neuaustrieb wird umso stärker, je weniger Knospen am beschnittenen Zweig verbleiben.
Wennn man diese Prinzipien nachvollzogen hat, kann der Schnitt losgehen: Zuerst wirft man einen Blick auf den Baum und schaut nach Fehlern. Nach jedem größeren Schnitt nimmt man den Baum erneut in Augenschein.
  1. Sind Teile des Baumes krank? Wenn ja, dann entfernt man diese.
  2. Hat der Baum eine Spitze oder konkurrieren Äste darum? Wenn ja, muss man sich entscheiden, welcher Ast die neue Spitze bilden soll, und entfernt oder kürzt den anderen. Falls der Baum keine Stammverlängerung hat, liegt eine sogenannte Hohlkrone vor. Dann entfällt dieser Schritt. Statt dessen sollten alle Leitäste etwa die gleiche Höhe erreichen, damit sie gleichstark wachsen.
  3. Wachsen Teile des Baumes nach innen Richtung Stamm? Wenn ja, dann entfernt man diese.
  4. Konkurrieren Äste oder Triebe miteinander? Wenn ja, dann entfernt man einen von beiden.
  5. Scheuern oder reiben Äste aneinander? Wenn ja, dann entfernt oder kürzt man einen von beiden.
  6. Wachsen Teile senkrecht nach oben? Wenn ja, kürzt man sie auf ein nach außen zeigendes Auge ein. Steile Triebe auf der Oberseite eines Astes (Wassertriebe) kürzt man nicht ein, sondern reisst sie besser aus. Denn dadurch entfernt man schlafende Augen mit, aus denen sonst schnell wieder neue Wassertriebe entstehen.
  7. Zum Schluss kommt der "Feinschliff": Wo ist die Krone noch zu dicht? Wo wird der Baum zu groß? Man kürzt oder entfernt störende Äste, Zweige und Triebe. Dabei schneidet man wenn möglich auf ein nach außen zeigendes Auge zurück und fördert waagerechte Äste.
Trotz dieser Tipps steht der typische Kleingärtner oft ratlos vor seinem Baum, weil dieser so gar nicht dem Muster eines gepflegten Obstbaumes entspricht. Es gibt keinen Obstbaum, der "nach Vorschrift" wächst. Es geht beim Baumschnitt aber auch nicht darum, alle Bäume in eine einheitliche Form zu pressen, sondern den Baum gesund zu erhalten. Dann setzt man eben nur die Schnittmaßnahmen um, die man erkennt. Im Laufe der Jahre wird sich der Baum verbessern.
Wie könnte man diesen Baum schneiden?
zeigen
Eine Möglichkeit wäre es, ihn als Pyramide zu schneiden.
Wichtig ist, dass er wieder eine Spitze bekommt und die Leitäste so gut es geht gleichberechtigt werden. Alles nach innen wachsende und die Wassertriebe sollten weg. Ein, zwei Wassertriebe kann man stehen lassen um daraus neue Äste zu bilden.
Letztlich gibt es soviele Möglichkeiten einen Baum zu schneiden, wie es Fachleute dafür gibt. Es ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein 6er im Lotto, dass zwei Fachleute den gleichen Baum auch gleich beschneiden würden,
Literatur: Martin Stangl, Obstbaumschnitt, 5. Auflage, BLV Verlagsgesellschaft mBH, München (2004)