Endlich mein Kleingarten!

gartenDie ersten Schritte durch den eigenen Garten sind wunderbar, endlich die eigene grüne Oase. Natürlich hat jeder Neupächter den Wunsch, seinen Garten richtig zu pflegen und an die eigenen Vorstellungen anzugleichen ... . Und schon tun sich viele Fagen auf:

  • Was wächst hier eigentlich? Was ist Unkraut und was nicht? Was sind all die Pflanzen und wie pflege ich sie?
  • Wo und wie fange ich mit der Umgestaltung an?
  • Wer hilft mir, wen kann ich fragen, wo bekomme ich eventuell Werkzeug und Gartengeräte und was kostet das alles?
  • Muss ich wirklich (wenn vorhanden) alle Auflagen erfüllen?
  • Welche Regeln und Vorschriften muss ich eventuell beachten?

Hier findest Du ein paar Antworten! Und vorweg: Die Kolonie drückt bei Dir als Neupächter im ersten Jahr ein Auge zu und gibt Dir Zeit, Deinen Garten kennenzulernen und zu gestalten. Du musst also nicht alles auf einmal machen und nichts überstürzen. Kein Garten kann innerhalb einer Woche oder auch nur einer Saison nachhaltig gestaltet werden, auch wenn zweifelhafte Sendungen wie "Ab ins Beet"  so etwas suggerieren. Es gibt kaum etwas wichtigeres beim Gärtnern als Geduld!

Bevor es losgeht: Auflagen und Vorschriften

Auch wenn es sich vielleicht so anfühlt, doch der Kleingarten ist nicht Dein Eigentum! Du hast ihn vom Bezirksverband (d.h. nicht von uns als Kolonie) zweckgebunden gepachtet, nämlich zur kleingärtnerischen Nutzung. Und der Bezirksverband hat ihn wiederum zweckgebunden von der Stadt gepachtet. Wenn Dir bei der Gartenübergabe Auflagen gemacht wurden, dann musst Du diese auch umsetzen. Das kann z.B. die Entfernung gemauerter Grills, übermäßiger Versiegelung oder Bebauung sein. Oder der Einbau einer Abwassersammelgrube, die Entfernung verbotener oder kranker Gewächse oder die Umsetzung kleingärtnerischer Nutzung.

Eine kleingärtnerische Nutzung liegt vor, wenn die angepachtete Gartenfläche sowohl für den Obst- und ­Gemüseanbau als auch für die sonstige gärtnerische Nutzung in all ihrer Vielfalt und zur Erholung genutzt wird. Dabei muss der Obst- und Gemüseanbau als Abgrenzung zu anderen Gartenformen dem Kleingarten das Gepräge geben und mindestens ein Drittel der Gartenfläche betragen. Zur kleingärtnerischer Nutzung im Sinne von §1 des Unterpachtvertrages gehören Beetflächen mit Gemüsepflanzen und Feldfrüchten, Kräutern, Erdbeeren oder einjährigen Sommerblumen. Außerdem Obstbäume, Beerensträucher,  Rankgewächse, Nutzpflanzen für die Tierwelt, sowie Sonderflächen wie Gewächshaus, Frühbeete und Kompostanlage.

Bezüglich der Auflagen gibt es kein "Wenn und aber". Der Bezirksverband ist gegenüber der Stadt als Eigentümer der Gärten rechenschaftspflichtig und muss für die Einhaltung des Bundeskleingartengesetzes und der städtischen Verordnungen sorgen. Ansonsten ist der Status aller unserer Kleingärten als solche gefährdet. Jeder Garten wird vor einer Neuverpachtung von ausgebildeten Abschätzern begutachtet. Diese erstellen die Auflagen aufgrund der geltenden Vorschriften. Was bei Deinem Gartennachbarn wegen Bestandsschutz noch geduldet wird, muss bei Dir nicht mehr erlaubt sein.

Unser Rat: Die Umsetzung der Auflagen sollte das erste sein, was Du anpackst!

Gib Deinen Pflanzen die Chance, sich vorzustellen!

gartenVersuche zuerst, den Bewuchs des Gartens kennenzulernen, bevor Du mit Säge, Schere und Schaufel loslegst. Es ist ganz wesentlich, zu welcher Jahreszeit Du den Garten übernimmst. Im Frühjahr kannst Du überhaupt nicht beurteilen, was dort wächst. Stauden sind Pflanzen, deren oberirdische Teile im Herbst absterben und die als Wurzel oder Knolle im Boden überwintern. Im Frühjahr treiben sie erneut aus, anfangs sehr unscheinbar und für den Neuling kaum voneinander zu unterscheiden. Ein im Frühjahr kahles Beet kann im Sommer die reinste Augen- und Bienenweide sein. Sei deshalb vorsichtig mit der Entfernung von scheinbarem Unkraut, wenn Du Dich nicht auskennst. Im Grunde gibt es nur ein wirklich lästiges Unkraut, dessen Bestand Du so klein wie möglich halten solltest: der Giersch. Alles übrige, was häufig als Unkraut aufgefasst wird, wie Löwenzahn, Brennnessel, Taubnessel, Schafgarbe, Gundermann usw. sind wichtige Wildkräuter für unsere Insekten und sollten unbedingt auch ein Plätzchen im Garten bekommen. Das bedeutet nicht, dass Du den Garten verwildern lassen sollst. Doch eine Ecke für Wildkräuter sollte jeder Garten haben.

Auch Obstbäume und Sträucher solltest Du erst einmal tragen lassen und die Früchte kosten, bevor Du daran denkst, sie zu ersetzen. Und wenn Du sie ersetzt, dann kaufe nicht irgendetwas aus dem Discounter oder Baumarkt, sondern wähle eine Sorte, die Dir schmeckt und bestelle sie im Fachhandel. Ein Obstbaum begleitet dich über Jahrzehnte und sollte Dir jedes Jahr Freude machen. Setze auf alte robuste Obstsorten mit dem Geschmack deiner Kindheit und nicht auf exotische Neuzüchtungen, die in bunten Hochglanzprospekten angeboten werden. Damit leistest Du einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser Sorten.

Gemüse- oder Hochbeete kannst Du jederzeit anlegen. Dies solltest Du möglichst auf Kosten von Rasenfläche tun und bestehende Beete erhalten. Sie sollten einen sonnigen Standort haben und werden jedes Jahr im Frühjahr neu bepflanzt. Hier kannst Du Dich von Anfang an bis etwa Ende Mai austoben, danach ist es für die meisten Gemüsesorten zu spät. Ab Ende Mai kannst Du jedoch zumindest noch Gründünger säen, der den Boden schützt und düngt und Pollen und Nektar für die Insekten spendet.

Sträucher und Rankgewächse geben dem Garten eine Struktur, können schnell kahle Ecken füllen und eine Augenweide sein. Der ungeduldige Neuling setzt deshalb gern auf schnellwachsende Pflanzen und übersieht den Pflegeaufwand und die Plage, zu der Knöterich, Hopfen, manche Clematis-Sorten, aber auch Flieder, Haselnuss und Holunder werden können. Sie wachsen einem schnell über den Kopf und sind, einmal gepflanzt, kaum wieder loszuwerden. So etwas sollte nur dort gepflanzt werden, wo über Jahre viel Platz ist. Bedenke, dass ein anfangs kleiner Strauch innerhalb weniger Jahre ein großer Baum werden kann, der unter Rückschnitt wohlmöglich noch agressiver wächst. Ein gut angewachsener Flieder kann zum Beispiel im Umkreis einiger Meter neu austreiben, auch beim Nachbarn. Zu große und störende Gehölze müssen nicht unbedingt rabiat gerodet werden. Mann kann erstmal versuchen, sie "auf Stock zu setzen" und damit zu erneuern und zu verkleinern. Dies darf jedoch nicht im Zeitraum vom 1. März bis 30. September geschehen, das verbietet das Bundesnaturschutzgesetz, um brütende Vögel zu schützen.

Beachte bei der Gartengestaltung die kleingärtnerische Nutzung. Rasenflächen, Ziergehölze und Beete mit Zierpflanzen gehören nicht dazu und sollten zusammen nicht mehr als 1/3 der Gartenfläche betragen. Der Obst- und Gemüseanbau muss den Garten prägen. Pflanze bevorzugt einheimische Pflanzen, dann gärtnerst Du im Einklang mit der Natur. Mit exotischen Zierpflanzen wie Forsythie, Magnolie, Thuja etc. können unsere heimischen Tiere und Insekten nichts anfangen. Nehme Rücksicht auf die Nachbarn! Achte auf den Sonnenstand und beschatte mit Deinen großen Pflanzen den eigenen Garten, aber nicht die Beete des Nachbarn.

Unser Rat: Beobachte Deinen Garten im ersten Jahr, mache Fotos der Pflanzen und eine Bestandsaufnahme, und fange erst danach mit größeren Umgestaltungen an.

In & Out

Es gibt einige überholte Dinge, die nicht der guten fachlichen Praxis im Kleingarten entsprechen. Auch wenn Du es noch ab und an siehst, solltest Du es nicht nachahmen. Seit 26 Jahren ist im Bundeskleingartengesetz verankert, dass „die Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege (...) bei der Nutzung und Bewirtschaftung des Kleingartens berücksichtigt werden“! Hilf mit, das umszusetzen!

Absolut Out ist deshalb:

  • Verwendung von Torf!  Insbesondere billige Blumenerde auf Torfbasis sollte nicht verwenden werden. Schaue stets vor dem Kauf auf die Packung, woraus die Erde besteht! Es gibt inzwischen überall auch preisgünstige torffreie Produkte. Achte darauf! In Torf sind große Mengen CO2 gebunden. Durch den Torfabbau und die unnötige Vewendung im Garten wird das Klima stark belastet. 
  • Verwendung von leichtlöslichen chemisch-synthetischen Düngern! Hände weg von Blaukorn und ätzenden Rasendüngern. Verwende nur organische Dünger wie Kompost, Hornspäne, Schafswoll- oder Rinderpellets und Algen. Die leichtlöslichen mineralischen Dünger werden zum größten Teil einfach nur in das Grundwasser gespült und belasten es sehr stark. Die meisten unserer Gärten sind übrigens stark überdüngt.
  • Verwendung von Glyphosat und anderen Herbiziden (Unkrautvernichtungsmittel)! Diese Chemie hat im Kleingarten einfach nichts zu suchen! Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Schon aus gesundheitlicher Sicht ist hier eine Verbannung aus dem Kleingarten zwingend notwendig. Darüber hinaus sollten alle Herbizide aus dem Kleingarten verbannt werden. Nur so können wir ökologisch Gärtnern und dazu sind wir nach dem Bundeskleingartengesetz verpflichtet. 
  • Beete im Herbst von den abgestorbenen Pflanzenresten zu befreien! Der richtige Zeitpunkt dafür ist das Frühjahr, denn viele Tiere und auch der Boden benötigen diese Pflanzenreste als Wohnung und Schutz zum überwintern. Stell Dir einfach vor, jemand vertreibt Dich im Winter aus Deiner Wohnung oder reisst sie einfach ab oder deckt das Dach ab! Sei klüger!
  • Beete umzugraben! Das Umgraben zerstört die Bodenfauna und Bodenstruktur. Einstechen und leichtes Anheben mit dem Dreizack ist völlig ausreichend, um den Boden aufzulockern und zu belüften.

Absolut In ist

  • Kleinstbiotope wie Totholz- und Steinhaufen, Sandhaufen, Nisthilfen  und Gartenteiche zu schaffen oder zu erhalten, um Nützlinge zu fördern und dem Naturschutz gerecht zu werden,
  • Wildstauden, Wildblumen und einheimische Gehölze zu pflanzen, um unseren Wildbienen und einheimischen Tieren ein Überleben zu ermöglichen,
  • Chemiefrei zu gärtnern! Krankheiten durch Schnitt, lockeren Bewuchs, Pflanzenstärkungsmittel und den Einsatz und die Förderung von Nützlingen zu begegnen.

Unser Rat: Informiere Dich regelmäßig auf den Seiten der Gartenfachberatungen des Landesverbandes und des Bezirksverbandes über die gute fachliche Praxis im Kleingarten.

Wo finde ich Rat und Hilfe?

Mit der Pacht Deines Gartens bist Du auch in unseren Verein eingetreten. Du bist nicht allein gelassen und jede Gartenfreundin und jeder Gartenfreund wird Dir mit Freude seine Ratschläge erteilen. Nicht immer decken sie sich.

Im Zweifel wende Dich an die Gartenfachberatung. Unser Verein bietet Dir gleich mehrere beim Pflanzenschutzamt ausgebildete Gartenfachberaterinnen, die Du bei Fragen zur Bepflanzung, Gartenpflege und Schnittmaßnahmen ansprechen kannst. Außerdem kannst Du Dich auch noch an die Gartenfachberatung des Bezirksverbandes wenden. Am einfachsten ist das samstags von 10-12 Uhr im Fachgarten (Kolonie Alt-Schöneberg, Kornblumenweg, Parz. 92). Dort stehen Dir mehrere Fachberater/innen zur Verfügung.

Für Fragen und Hilfe zur Wasserversorgung ist unser Rohrwart für Dich da. Außerdem besitzt der Verein zwei Häcksler, die Du Dir über unseren Platzwart ausleihen kannst. Und für Fragen zu Baulichkeiten und Vorschriften kannst Du die Vorstandsmitglieder jederzeit ansprechen. Wo Du sie alle findest, zeigt Dir unser Kolonieplan.

Bevor Du Dir ein teures Spezialwerkzeug anschaffst, frage doch erstmal über unsere WhatsApp-Gruppe, ob es Dir nicht jemand leihen kann. Kettensäge oder Vertikutierer benötigt man so selten, dass sich eine eigene Anschaffung kaum lohnt. Ein eigener Rasenmäher ist dagegen unverzichtbar, sofern Du Rasen hast.

Unser Rat: Schaue Dir andere Gärten an. Wenn Dir dort etwas gefällt, frag einfach über den Gartenzaun nach. Wende Dich an die Gartenfachberatung oder an den Vorstand, wenn Du mit irgendetwas unsicher bist.